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„Trendige Vagina-Pflegerituale“

Die Schönheitsindustrie hat eine neue Problemzone erkoren: die Vagina. Immer mehr trendige Produkte und Fancy Beauty-Rituale widmen sich der Reinigung, Pflege und angeblichen Verjüngung des weiblichen Genitals. Warum diese der vaginalen Gesundheit schaden können – und wie Du Deine Intimzone am besten pflegst.

Die Vagina als Marketing-Produkt. Über den großen Teich sind ja schon einige Trends herübergeschwappt, über die Frau sich nur wundern kann. Etwa „Passion Dust“, dem Original-Namen der US-amerikanischen Marke Pretty Woman Inc. Dabei handelt es sich um Kapseln, die mit süßem Glitzergel gefüllt sind. Diese Dinger können vaginal eingeführt werden und sollen nicht nur eine hübsch glitzernde Vagina zaubern, sondern auch für einen leckeren Geschmack sorgen. Geschmack finden an diesem Trend vor allem Bakterien, die sich dank der Anwendung ungestört ausbreiten können. Denn fürs Mikrobiom, dem natürlichen Ökosystem der Scheide, ist der Glitzerspaß alles andere als gesund.

Da haben wir den Salat

Während man Trends wie Glitter-Stylings oder auch Highlighter für den Schambereich noch als Gag abspeichern kann, gibt es einige Trends, die richtig gefährlich sind. Die Runde machten z.B. Apfelessig-Treatments, die in diversen Blogs als Behandlung für eine besonders gründliche Reinigung gefeiert werden. Zudem sollen sie die Vulva straffen, wodurch sich auch das Gefühl, so heißt es, beim Sex intensiviert. Das Prinzip: Die Vagina wird entweder mit Apfelessig gereinigt oder es wird ein mit Essig getränkter Tampon eingeführt. Wir sagen dazu nur: Don´t try this at home! Die aggressive Säure des Apfelessigs kann das natürliche Gleichgewicht der Scheidenflora aus der Balance bringen und den natürlichen Schutz der Vagina zerstören. Also: Essig bitte nur in den Salat, und maximal als Haarspülung, aber niemals untenrum!

Der Vagina Dampf machen

Dank der US-Actress Gwyneth Paltrow avancierte das Vaginal Steaming (eine Art Dampfbad für die Scheide) zum regelrechten Trend. Weil Vaginal-Dampfbad nicht so hip klingt, wurde in den USA ein zeitgemäßer Begriff für das Treatment geschaffen: „Yoni Steam“. In Lateinamerika Bajo und in Korea Chai-Yok genannt, ist diese eine an sich uralte Heilpraktik, die Wasserdampf und Heilkräuter zur Intimpflege und Behandlung von gynäkologischen Erkrankungen sowie Nachgeburtsbeschwerden einsetzt. Yoni wiederum ist ein Begriff aus dem Sanskrit und bedeutet wörtlich übersetzt „heiliger Ort“. Er wird am häufigsten verwendet, um die Vagina oder Gebärmutter zu beschreiben, hat aber darüber hinaus die Bedeutung von „weibliche schöpferische Kraft“ oder „schöpferische Natur“.

Klingt gut, doch Gynäkolog*innen sehen diesen Treatment-Trend eher kritisch. Der „Yoni“ beim Bad über Wasserdampf die ungeteilte, liebevolle Zuwendung zu schenken ist zwar nett, und für viele Frauen wahrscheinlich eine Premiere. Doch Tatsache ist auch, dass unsere sensible Intimzone selbstreinigend ist. Invasive Methoden wie der aufsteigende Kräuterdampf als „Detox-Kur“ sind nicht nur unnötig, sie können die Vaginalflora ins Ungleichgewicht bringen, damit Entzündungen oder auch Bakterielle Vaginose auslösen, und/oder zu Trockenheit oder Juckreiz führen.

Ei als Bakterienschleuder

Ebenfalls von Gwyneth Paltrow und ihrem Unternehmen namens „Goop“ promotet werden die sogenannten „Yoni-Eggs“ (Yoni-Eier). Wie der Name schon sagt, sind das zu einer Eiform geschliffene Steine aus hübschen, bunten Edelsteinen wie Rosenquarz oder Amethyst, die zu einer Vagina mit mehr „Chi“, also Energie, stärkeren Orgasmen und insgesamt einem Booster des Körpergefühls führen sollen. Angeblich haben bereits die Konkubinen der chinesischen Königshäuser die kleinen Eier mit (oder auch „in“) sich herumgetragen – ja, denn die Yoni-Eier werden in die Vagina eingeführt und sollen dort, in unserem Allerheiligsten, auch stundenlang bleiben. Frauenärzt*innen stehen dem Vaginalei eher kritisch gegenüber, schließlich kann beim Einsetzen und Tragen des Eis ziemlich viel schieflaufen. Ein mögliches Risiko besteht aber auch darin, dass die Steine porös sind, und sich Bakterien und Viren so ungehindert in der Vagina ausbreiten können.

Gefährliche Trends

Würdest Du Deinen liebsten Kaschmirpulli zur Kochwäsche werfen? Das teure Stück bei 90 Grad schleudern, und dann noch mit der Wurzelbürste drauf rumrubbeln? Sicher nicht. Leider gehen wir mit unserer Vagina oft ähnlich unsanft um. Der Grund: Hygiene-Mythen oder besagte Trends, die uns und unserer Intimzone jedoch schaden können. Vom Intim-Waschgel über das Deo für die Scheide, vom Vaginal-Steaming bis zum Yoni-Egg – Social Media-Trends vermitteln den Eindruck, es sei unhygienisch und unattraktiv, sich untenrum nicht mit speziellen Produkten und Treatments zu detoxen.

Wasser und sonst nichts

Simpel, aber wahr: Wasser reicht dafür durchaus. Den äußeren Intimbereich (Vulva) einmal pro Tag zu waschen ist mehr als genug. Eines solltest Du dabei aber beachten: Benutzt Du dafür einen Lappen, diesen bitte nach jedem Waschgang wechseln, um Keimen und Bakterien vorzubeugen. Und: Bitte nicht den Scheideneingang oder gar die Vagina („innen“) schrubben – auch das öffnet Infektionen Tür und Tor. Ein echtes No-Go sind Waschlotionen mit Duftstoffen, die – gerade bei Frauen mit empfindlicher Haut – zu Reizungen und sogar Allergien führen können. Wie eingangs beschrieben ist „Yoni“ ein Sanskritwort und bedeutet „heiliger Raum“ – wenn uns unsere Yoni heilig ist sollten wir also die Finger von fancy Trend-Quatsch lassen.

Quellen:

https://www.minimed.at/medizinische-themen/frauengesundheit/intimpflege-frau/
https://wienerin.at/vaginal-steaming-warum-das-umstrittene-intim-dampfbad-so-beliebt-ist

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