Wunden

Interview mit Wundexpertin Martina Bettschar, DGKP

7 Fragen an Wundmanagerin Martina Bettschar.

Was sind die ersten Schritte für eine sorgfältige Wundversorgung?

Erster wichtiger Schritt in der Wundversorgung ist die Wundreinigung. Je nach Ausmaß der Keimbesiedelung wird entschieden, ob neutrale oder antimikrobielle Wundspüllösungen oder gar Antiseptika herangezogen werden. Danach erfolgt die Wundbeurteilung. Je genauer eine Wunde und ihre Umgebung analysiert wird, um so leichter ist die Auswahl des passenden Wundverbandes. Wichtig ist, dass die Wunde zumindest keimfrei gehalten und vor weiteren Schäden geschützt wird.

Worauf sollte bei der Wundversorgung besonders geachtet werden? Gibt es Tipps, die einfach und schnell umzusetzen sind, aber kaum jemand macht?

Bei der Wundversorgung sollte besonders darauf geachtet werden, dass Störfaktoren erkannt und beseitigt werden. Oft sind es ganz alltägliche Dinge, die einer optimalen Wundheilung im Wege stehen. Beispielweise können zu enge Schuhe, fehlende Kompressionsstümpfe, Druckstellen oder auch falsche Hautpflegeprodukte dazu führen, dass Wunden immer wieder entstehen oder gar nicht erst abheilen. Daher rate ich jedem Betroffenen sich regelmäßig mit Fachkräften oder anderen Betroffenen auszutauschen und Präventionsarbeit zu leisten.

Zum Thema Wundversorgung gibt es viele Mythen. Was stimmt nun: Die Wunde keimfrei und geschützt halten oder möglichst viel „Frischluft“ an die Wunde kommen lassen?

Viele Menschen glauben noch immer, dass Wunden austrocken müssen, um unter ihrer Kruste abheilen zu können. Bei kleinen, nicht infizierten, oberflächlichen Wunden ist das auch richtig. Akute Wunden, die wir uns im Alltag sehr oft zuziehen, müssen im Normalfall nicht professionell versorgt werden. Hier reicht ein Antiseptikum und ein Pflaster aus der Hausapotheke vollkommen aus.

Ist eine Wunde jedoch infiziert oder gar chronisch, ist eine professionelle Wundbehandlung unumgänglich. Infizierte Wunden brauchen ein lokales Antiseptikum wie z.B. Betadona, manchmal auch eine zusätzliche Antibiotika Therapie, worüber immer ein Arzt entscheiden muss.

Bei chronischen Wunden sind eine Austrocknung und Krustenbildung unbedingt zu vermeiden. Diese speziellen Wunden werden „feucht“ behandelt und dafür braucht es spezielle Kenntnisse über moderne Wundverbände und deren korrekten Einsatz. Chronische Wunden haben meist eine sehr lange Geschichte und sind immer nur das Symptom einer anderen Erkrankung. Betroffenen rate ich darauf zu achten, dass sich der Behandler um eine ausführliche Diagnostik bemüht und eine entsprechende Ausbildung im Wundmanagement vorweisen kann.

Wo werden die häufigsten Fehler in der Wundversorgung gemacht?

Einer der häufigsten Fehler ist eine ungenaue Diagnostik. Kennt man die Ursache der Wunde nicht genau, kann der beste und teuerste Verband langfristig gesehen nichts bewirken. Häufige Ursachen einer stagnierenden Wunde sind beispielsweise Keime, Stauung, Druck, ein zu hoher Blutzuckerspiegel, eine Minderversorgung des Gewebes mit Sauerstoff und anderen wichtigen Nährstoffen, etc. Kennt man die genaue Ursache kann durch eine Kausaltherapie das „Symptom Wunde“ besser behoben werden.

Wie kann die Wundheilung unterstützt und eine Narbenbildung vermieden werden?

Eine sehr gute Unterstützung für die Wundheilung ist eine ausgewogene Ernährung. Dabei ist vor Allem auf eine erhöhte Zufuhr von Eiweiß, Zink, Selen, Vitamin C, E und Arginin (etc.) zu achten. Patienten, die sich beim Essen schwer tun, rate ich zur Nahrungsergänzungsmittel mit eben genannten Inhaltsstoffen.

Zur Narbenpflege empfehle ich die betroffene Stelle regelmäßig zu schmieren und zu massieren. Narbenöle, Omas selbstgemachte Ringelblumen- oder Lavendelsalben, spezielle Narbensalben aus der Apotheke, hier ist so ziemlich alles erlaubt. Denn bei der Narbenpflege geht es vor allem darum die neue Haut zu pflegen, sie vor dem Austrocknen zu schützen und sie zu mobilisieren. Frische Narben bestrahle ich sehr gerne auch mit dem Low-Level-Laser. Der beschleunigt die Wundheilung, reduziert Schwellungen und löst Verhärtungen. So bleibt die Haut von Anfang an geschmeidig, das Zusammenziehen der Narben wird verhindert und die Narbe sieht ästhetischer aus.

Bei welchen Wunden können Wundsalben wie Betadona® für den Heilungsprozess besonders unterstützend wirken?

Dank des breiten Wirkungsspektrums von Polyvidon-Iod ist Betadona® sowohl bei akuten als auch chronischen Wunden als Antiseptikum einsetzbar. Die Wundsalbe kommt vermehrt bei akuten Wunden wie Schnitt- und Schürfwunden, Verbrennungen, Nagelbettentzündungen oder anderen Hautinfektionen zum Einsatz. PvP-Iod in flüssiger Form findet vor allem bei Unterschenkelgeschwüren, Druckgeschwüren oder diabetischen Wunden Verwendung. Sinnvoll ist hier eine Anwendung bei entsprechender Indikation über einen kurzen Zeitraum.

Was ist der Unterschied von PVP-Iod und anderen Präparaten?

PvP-Iod wirkt wie die meisten anderen Wundantiseptika gegen grampositive und gramnegative Bakterien und gegen Pilze. Im Unterschied zu anderen Antiseptika wirkt Betadona® zusätzlich noch gegen Sporen und Viren. Diese speziellen Eigenschaften machen das PvP-Iod in der Wundversorgung unersetzlich. Denn ist eine Wunde von Keimen, Pilzen oder Viren befallen, dann kann nur mehr ein entsprechendes Antiseptikum helfen.

Über Martina Bettschar, DGKP
Martina Bettschar ist selbständige Wundmanagerin und akademische Pflegemanagerin. Ihr Fokus liegt dabei auf die Behandlung von komplizierten Wunden und Lasertherapie.
0664/991 085 77
office@thewundmanagerin.at
www.diewundmanagerin.at

CEEEM/BTA-19009

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