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Veni, Vidi, Vulva – Was Du über Deine wunderbare Vulva wissen solltest!

Was ist die Vulva, was die Vagina?

Sehen alle Frauen „da unten“ gleich aus? Funktioniert das Jungfernhäutchen wie eine Frischhaltefolie? Warum heißt es jetzt „Charmelippen“? Kann eine Klitoris größer sein als ein Penis? Fragen über Fragen – wir verraten Dir überraschend Neues über Deine Intimzone!

Wir schreiben das Jahr 2021. Umfragen zufolge weiß jedoch ein großer Teil der Mädchen und Frauen nicht genau, wie ihre Vulva und Vagina genau aussehen. Die Vorbehalte, einen Blick nach „Down Under“ zu wagen sind oft sogar so groß, dass Vulva-Besitzerinnen diese noch nie, zum Beispiel mit Hilfe eines Handspiegels, betrachtet haben. Eine Entdeckungsreise zu unternehmen lohnt sich aber, denn es hat einige Vorteile, genau zu wissen, wie man „untenrum“ aussieht. Es stärkt die eigene Wahrnehmung und das sexuelle Selbstbewusstsein. Je mehr Frauen ein gesundes Verhältnis zu ihren Genitalien aufbauen, desto weniger wird sich das Bild der Vagina als etwas Schmutziges in unserer Gesellschaft durchsetzen. Und auch einen gesundheitlichen Vorteil hat es: Je besser Du Deine Vulva und Vagina kennst, desto eher wirst Du Veränderungen aufgrund von Infektionen, wie z. B. der Bakteriellen Vaginose, oder (Geschlechts)-Krankheiten bemerken.

Warum Vulva und nicht Vagina

Das gesamte weibliche Geschlechtsorgan wird oft fälschlicherweise als Vagina bezeichnet, obwohl Vagina lediglich die Bezeichnung des inneren Geschlechtsorgans ist. Ein bis zu zwölf Zentimeter langer „Schlauch“ aus sehr dehnbarer Schleimhaut, der von einem Muskelgewebe umgeben ist. Also jener Teil, der bei der Penetration ins Spiel kommt. Sorry, lieber Penis, aber unsere Vulva hat weit mehr zu bieten. Als Vulva wird das äußere Geschlechtsorgan bezeichnet, zu dem der Schamhügel, die äußeren und inneren Schamlippen, die Klitoris und der Scheidenvorhof gehören. Sie beginnt am Venushügel und endet hinter dem Scheideneingang. Im Inneren der Vagina liegt der etwa kirschgroße Muttermund, der mit den Fingern erstastet werden kann.

Gestatten, wir sind die Charmelippen!

Die Vulva ist eine Region mit vielen lustvollen Details, die einen eigenen Namen verdienen und diesen auch haben. Und wo wir gerade dabei sind, können wir noch mehr Vokabeln hinterfragen, die bisher fest im Sprachgebrauch etabliert sind, aber überdacht werden sollten. Wie zum Beispiel beim Wort Schamlippen. Ehrlich – warum sollen wir uns für diese Lippen schämen? Ein negativer Beigeschmack, der unnötig zur Tabuisierung beiträgt. Der früher und mancherorts auch heute noch gebräuchliche Zusatz „große und kleine Schamlippen“ hat zur völlig falschen Vorstellung beigetragen, dass die innenliegenden Labien (so der medizinische Ausdruck für diese Lippen) immer kleiner zu sein hätten als die äußeren. Dabei ist das bei ganz vielen Frauen anders und die optische Vielfalt unbegrenzt. Leider haben diese Begriffe einen normativen Charakter und so letztlich dazu geführt, dass Frauen ihre Vulva zunehmend chirurgisch „optimieren“, Stichwort Designer-Vagina. Aufgeklärte Frauen schlagen deshalb seit längerem andere Begriffe vor: Vulvalippen oder „Charmelippen“, beispielsweise. Klingt doch gleich viel hübscher, oder?

In der Klinik für Frauenheilkunde in Luzern wurde im Jahr 2018 die bis dahin größte Vulva-Studie weltweit durchgeführt. Innerhalb der Studie wurden die Vulven von mehr als 650 Frauen vermessen. Dabei wurden die Breite und Länge der inneren und äußeren Schamlippen sowie die Abstände zwischen Klitoris, Harnröhre, Scheideneingang und Anus untersucht. Die Studie ergab, dass die äußeren Schamlippen zwischen einem und 18 Zentimetern breit sein können und es demzufolge eine „normale“ Vulva gar nicht gibt. In Bezug auf die Vulven ist nicht die Symmetrie normal, sondern die Diversität.

Facts für Perlentaucher

Was sich noch nicht überall rumgesprochen hat: Die Klitoris ist viel größer als die kleine „Perle“, die zwischen den Vulvalippen sichtbar ist. Die gesamte Klitoris misst nämlich zwischen acht und zwölf Zentimeter, die vom Klitoris Kopf V-förmig in der Tiefe verlaufen und den Scheideneingang umschließen. Faszinierend: ähnlich wie der männliche Penis schwillt die Klitoris bei Erregung an. Dabei kann sie sich um das Eineinhalb- bis Dreifache vergrößern. Punkto Größe toppt sie damit sogar das durchschnittliche männliche Glied, das im erigierten Zustand etwa 13 Zentimeter lang ist. Genuss-Plus: Ein Höchstmaß an Empfindsamkeit in dieser Region lässt auf diesem Weg die Lust weit ausstrahlen.

Damen-Kränzchen

Generationen von Mädchen wurden von ihren Müttern dazu angehalten, nicht zu wild zu sein, beim Sport aufzupassen und die Beine stets übereinander zu schlagen. Und natürlich keinen vorehelichen Sex zu haben, denn all das, oh Sünde, würde das Jungfernhäutchen, das den Vaginaleingang verschließt, ein für alle Mal zerstören. Was für ein Humbug.

Die Bezeichnung “Jungfernhäutchen” suggeriert, dass es sich erstens um ein Häutchen handelt und zweitens, dass nur Jungfrauen eines besitzen. Beides ist falsch. Denn in Wirklichkeit gibt es keine Haut oder eine Membran, die den Vaginaleingang verschließt, und beim ersten Geschlechtsverkehr durchstochen wird wie die Folie beim Nutella Glas. Es handelt sich vielmehr um einen Schleimhautsaum, beziehungsweise ein kleines Kränzchen, das den Eingang der Vagina umrahmt. Man kann es sich vorstellen wie ein dehnbares, weiches Scrunchie-Haargummi – und eben nicht wie eine Frischhaltefolie.

Das Blut, dass beim “ersten Mal” auftreten kann, kommt in den meisten Fällen von Rissen in der Vaginalwand, die durch zu wenig Feuchtigkeit/Sekret verletzt wurde. Denn wenn man beim ersten Sex nervös und unentspannt ist kann die Vagina nicht feucht werden – und das Verletzungsrisiko steigt. All das hat aber nichts mit dem angeblichen Jungfernhäutchen zu tun.

Quellen:

www.netdoktor.at/gesundheit/frauen/8-ueberraschende-fakten-ueber-die-klitoris-6908292
Vulva Studie: obgyn.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/1471-0528.15387

Quelle und Lese-Tipp rund um Vulva & Co: „Unverschämt: alles über den fabelhaften weiblichen Körper“ von der Gynäkologin Sheila de Liz

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