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Bakterielle Vaginose: Vorsorge und Tipps zur Behandlung

Interview mit Frauenärztin Dr. Isabella Franke

Frau Dr. Franke, was ist eine bakterielle Vaginose (BV) und wie wird sie übertragen?

Dr. Isabella Franke: Die bakterielle Vaginose ist die häufigste mikrobiologische Störung des Scheidenmilieus bei Frauen im gebärfähigen Alter. Die Prävalenz beträgt zwischen 5 und 10 Prozent, in der Schwangerschaft liegt die Häufigkeit etwas höher, zwischen 10 und 20 Prozent.

Typisch für die BV ist eine Art Gleichgewichtsstörung der natürlichen Scheidenflora, also eine mikrobiologische Dysbalance, eine Abnahme der gesunden Laktobazillen und die gleichzeitige Zunahme der anaeroben Mikroorganismen. Auch das Bakterium Gardnerella vaginalis ist deutlich vermehrt nachweisbar.

Als Hauptursache für diese Gleichgewichtsstörung in der Scheidenflora gilt Geschlechtsverkehr als wahrscheinlich, daneben ist auch psychosozialer Stress ein signifikanter Risikofaktor.

Aber nur ca 50 Prozent der betroffenen Frauen klagen über charakteristische Symptome wie vermehrten, oft auffällig riechenden Ausfluss. Viele fühlen sich jedoch in ihrem Wohlbefinden gar nicht beeinträchtigt.

 

Oft wird eine BV auf Grund der ähnlichen Symptome mit einer Pilzerkrankung verwechselt. Wie kann ich eine BV von einer Pilzerkrankung unterscheiden?

Eine bakterielle Vaginose äußert sich primär mit einem verstärkten grau-weißlichen, eher dünnflüssigen und homogenen Ausfluss, der unangenehm, meist fischig riecht. Der intravaginale pH Wert steigt auf über 4,5 und der vermehrte Ausfluss kann zu Irritationen im Bereich der Vulva führen. Verstärkt werden kann diese Symptomatik durch Geschlechtsverkehr.

Bei einer vaginalen Pilzerkrankung ist das Leitsymptom Juckreiz, der Ausfluss hier jedoch eher dickflüssig und inhomogen, also flockig. Der Genitalbereich kann gerötet, geschwollen und schmerzhaft sein, das Urinieren kann als brennend empfunden werden.

 

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei einer BV?

Grundsätzlich ist eine Normalisierung des mikrobiologischen Gleichgewichts wichtig, ein Ausgleich des pH Wertes und die Wiederherstellung des Biofilms, der die Scheide auskleidet und somit das natürliche Milieu schützt.

Lokale Antiseptika zur Desinfektion und Beruhigung der Vaginalhaut sowie Milchsäurebakterien können den pH Wert verbessern, nicht jedoch die bakterielle Vaginose heilen. Oft ist eine antibiotische Therapie mit Metronidazol oder Clindamycin notwendig.

Therapeutisch und vorbeugend, jedoch ohne Antibiotikum, kann beispielsweise BETADINE BV Vaginalgel verwendet werden, das einen Wirkstoff enthält, der eine Art Barriere aufbaut, die verhindert, dass sich Bakterien in der Vagina anhaften und verbreiten können. Das hilft, bei einer gezielten Behandlung die Scheidenflora wieder zu beruhigen.

 

Viele Frauen zeigen keine Symptome, obwohl sie von einer bakteriellen Vaginose betroffen sind. Wie gehen Sie mit solchen Fällen um? Bzw. wie kann ich feststellen, ob ich von einer BV betroffen bin?

Gerade weil so viele Frauen keine Beschwerden zeigen, ist die regelmäßige gynäkologische Vorsorgeuntersuchung wichtig, um rechtzeitig Infektionen zu identifizieren und vorzubeugen. Zur Feststellung nochmals: Meist bemerken die Frauen selbst einen vermehrten dünnflüssigen weißlich-grauen Ausfluss, der homogen erscheint und nehmen einen veränderten Geruch wahr.

 

Wann kann ich eine BV selbst behandeln und wann ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen?

 Bei entsprechenden Symptomen kann grundsätzlich versucht werden, das Gleichgewicht der Scheidenflora selbst wiederherzustellen, in dem man natürliche Milchsäurebakterien zuführt. Wenn das aber keine Besserung bringt, ist eine gynäkologische Untersuchung zwingend ratsam. Vaginale Infektionen können andernfalls auch zu den inneren Genitalorganen aufsteigen, und im schlimmsten Fall auch zu Unfruchtbarkeit führen. Besonders gefährdet für Komplikationen sind Frauen, die eine Spirale tragen und Schwangere.

 

Welche Tipps geben Sie Patientinnen mit auf den Weg, um eine gesunde Scheidenflora aufrechtzuerhalten?

Mit einer gesunden, ausgeglichenen Scheidenflora kann man einer Vaginose gut vorbeugen. Hierzu ein paar einfache Verhaltensregeln:

Vermeiden Sie übertrieben häufiges Waschen, vor allem meiden Sie bitte herkömmliche Seifen und Intimdeos oder parfümierte Pflegeprodukte im sensiblen Intimbereich. Den natürlichen pH Wert kann man am besten mit reinem Wasser oder speziell dafür hergestellten Intimpflegeprodukten unterstützen.

Achten Sie darauf, den Genitalbereich nach dem Waschen gut zu trocknen, um Feuchtigkeit, und damit Nährboden für Bakterien, zu vermeiden. Auf der Toilette achten Sie unbedingt auf die richtige Technik beim Wischen, um zu verhindern, dass Darmkeime in die Scheide gelangen.

Bevorzugen Sie Unterwäsche aus Baumwolle statt synthetischer Materialen und waschen diese, ebenso wie Handtücher mit einem neutralen Waschmittel. Wechseln Sie täglich Ihre Unterwäsche und schlafen Sie, wenn möglich nachts ohne beengende Slips.

Schützen Sie die empfindliche Haut im Intimbereich mit fetthaltigen Pflegesalben, um Trockenheit und möglicherweise dadurch entstehenden Rissen vorzubeugen. Bei intaktem Epithel fällt es Bakterien und Pilzen schwer, in die Haut einzudringen und symptomatisch zu werden.

In puncto Menstruationshygieneartikel gilt:

Wechseln Sie Tampons oder Slipeinlagen spätestens nach 6 Stunden. Im Umgang mit Menstruationstassen ist penibel genau auf Hygiene zu achten, um nicht durch die Wiederverwendung von potentiell kontaminierten Tassen Keime in die Scheide zu verschleppen.

 

Vielen Dank für das Interview und die Beantwortung unserer Fragen.

 


Dr. med. univ. Isabella Franke ist Fachärztin für Gynäkologie & Geburtshilfe und Allgemeinmedizin. In ihrer Ordination fokussiert sie sich auf die Betreuung ihrer Patientinnen im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung, der Schwangerschaftsbegleitung und bei aktuellen Beschwerden. Sie hilft Ihnen bei hormonellen Störungen sowie bei unerfülltem Kinderwunsch. Dr. Isabella Franke ist als Wahlärztin im The Aurora Ärztezentrum tätig.

 

Kontakt:

E-Mail: isabella.franke@theaurora.at

Website: www.theaurora.at

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